Tiltshift mit GIMP
Als Tiltshift-Fake bezeichnet man Fotos, die nachträglich durch gezielte Unschärfe und Farbkorrektur so wirken, als handele es sich um die Aufnahme einer Modellbau-Szene:
In diesem kurzen Tutorial möchte ich zeigen, wie man mit dem kostenlosen Bildbearbeitungs-Programm Gimp (Download unter http://www.gimp.org) ein solches Tiltshift-Fake in wenigen Schritten selbst erstellen kann.
1. Auswahl des richtigen Bildes
Dies ist in der Tat der schwierigste Schritt. Grundsätzlich sind alle Aufnahmen geeignet, die eine Situation abbilden, wie sie in einer Modellbaulandschaft typischerweise nachgestellt wird, also Gebäude, Menschenansammlungen, Autos, Züge, Landschaften. Für ein besonders überzeugendes Ergebnis erfüllt das Bild idealerweise zwei Voraussetzungen: es ist von einem erhöhten Standpunkt schräg nach unten aufgenommen (wie man normalerweise eine Modell-Landschaft auch aufnehmen würde) und das Bild ist möglichst hell- dann wirken die Farbtonkorrekturen später besonders plastisch.
Für das Tutorial habe ich deshalb folgendes Bild eines Griechenland-Urlaubs von 2004 gewählt:
2. Tranparente Ebene hinzufügen
Mit Ebene->Neue Ebene fügen Sie eine weitere Ebene hinzu. Wählen Sie dabei als Füllart für die Ebene “Transparenz”:

3. Transparente Ebenenmaske hinzufügen
In der neuen transparenten Ebene wählen Sie im Dialog Ebene (das Fenster öffnen Sie, wenn es nicht geöffnet ist, über Dialoge->Ebenen) mit der rechten Maustaste den Punkt “Ebenenmaske hinzufügen” und wählen im sich öffnenden Dialogfenster den Punkt “Schwarz (volle Transparenz)”. Achten Sie spätestens jetzt darauf, dass die Farbeinstellungen bei Gimp auf den Standard (Hintergrund Weiß, Malfarbe Schwarz) gesetzt sind. Sonst schließen Sie den Dialog und holen dies nach:


4. Bilinearen Farbverlauf platzieren
Jetzt wählen Sie aus dem Werkzeugkasten das Werkzeug “Farbverlauf” und stellen in den Eigenschaften einen bilinearen Verlauf ein, den Sie dann mit gehaltener linke Maustaste im Bild platzieren. Bei diesem Schritt müssen Sie wahrscheinlich einige Male probieren, bis Sie das optimale Ergebnis erzielen. Im Prinzip setzen Sie mit einem bilinearen Farbverlauf auf der transparenten Ebene den Bereich, in dem das Bild nachher die größte Schärfe hat und die Verlaufsachse, an derer die Schärfe entsprechend dem Farbverlauf abnehmen wird. Stellen Sie sich also einfach vor, dass statt eines Farbverlaufs in beiden Richtungen (deswegen heißt es bilinearer Farbverlauf) von dem Punkt aus, an dem Sie ansetzen, das Bild entlang dem Strich (und entsprechend vom Ausgangspunkt 180° in entgegengesetzter Richtung), den Sie über das Bild ziehen, immer unschärfer wird. Das klingt jetzt etwas theoretisch, aber in der Praxis können Sie in guter Näherung einen Punkt wählen, der horizontal etwa in der Bildmitte und vertikal im unteren Drittel oder sogar Viertel des Bildes liegt- vorzugsweise auf einem Ausschnitt, den Sie besonders betonen wollen. Im Beispielbild habe ich das kleine Gebäude rechts neben der Kirche angeklickt und den (unsichtbaren) Farbverlauf von dort senkrecht nach unten gezogen.
5. Auswahl aus Ebene erstellen
Um das Ergebnis sehen zu können, wird jetzt im Ebenendialog auf der transparenten Ebene wieder die rechte Maustaste bemüht- diesmal nicht, um eine Ebenenmaske zu erstellen, sondern um aus dem Farbverlauf eine Auswahl zu erstellen. Dazu wählt man im Kontextmenu “Auswahl aus Maske” und erhält etwa folgende Auswahl:

6. Gaußschen Weichzeichner anwenden
Für die beiden letzten Schritte müssen Sie im Ebenen-Dialog jetzt die Ursprungsebene und nicht mehr die transparente Ebene auswählen (Mausklick auf die Ebene). Dann wählen Sie den Gaußschen Weichzeichner (Filter->Weichzeichnen->Gaußscher Weichzeichner) und wenden ihn mit einem geeigneten Weichzeichnungsradius an. Experimentieren Sie ruhig mit den Werten (diesmal sehen Sie das Ergebnis gleich), für mich waren Werte zwischen 10 und 25 oft im richtigen Bereich:

7. Anpassen der Farbsättigung
Als letzten Schliff sollten Sie die Farbsättigung kräftig heraufsetzen- dadurch verstärken Sie die plastische und leicht unwirkliche Wirkung. Wählen Sie dazu aus dem Menu Farben->Farbton/Sättigung, klicken auf die Schaltfläche “Alle” und schieben den Regler “Sättigung” beherzt nach rechts. Als recht gut haben sich bei mir Werte um die 50 erwiesen:

8. Bewundern und abspeichern
So, jetzt ist es vollbracht. Wenn Sie mit dem Ergebnis zufrieden sind, bleibt Ihnen nur noch, das fertige Werk zu speichern. Aus meinem ganz realen griechischen Dörfchen ist so eine Szene entstanden, an der Märklin-Fans ihre Freude hätten:
Viel Spaß beim Nachmachen!










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[…] gibt es diverse Plugins für Photoshop und Gimp um diesen Trick hin zu bekommen. Aber wer sich nicht die große Mühe mittels mächtiger […]
EIns versteh ich irgendwie nicht. warum muss die auswahl per Bilinearem Farbverlauf erfolgen? Man kann doch auch einfach in einer Quickmaske mit dem normalen Pinselwerkzeug markieren, was scharf und was unscharf werden soll. Nur geht es da sehr viel filigraner als durch den Farbverlauf, der ja nur eine “gerade” darstellt.
ich lass mich aber gerne aufklaeren.
Dakky
[…] mit gängigen Bildbearbeitern erzielen, zum Beispiel auch mit meinem Lieblings-Gimp. Helge Cramer zeigt das auf Fothema ganz […]